Zwischen drei Welten
Mein letzter Tag in Deutschland · Juni 2026
Hallo, ich bin Seungwan! Schön, dass du hier bist.
Ich komme aus Südkorea, bin in einer koreanischen Familie aufgewachsen. Wenn ich heute zurückblicke, finde ich es manchmal selbst erstaunlich, wie sich mein Leben entwickelt hat. Denn eigentlich hat alles mit Musik angefangen.
Mit 9 begann ich, Klavier zu spielen und mich mit klassischer Komposition zu beschäftigen. Mein Lieblingskomponist war schon damals Beethoven. Ich habe seine Musik unglaublich gerne gehört, und dadurch wurde ich zum ersten Mal auf Deutschland aufmerksam. Dass ich viele Jahre später tatsächlich einmal dort leben würde, hätte ich damals natürlich nicht gedacht.
Irgendwann verlagerte sich mein Interesse von der Musik zu Fremdsprachen. Der Auslöser war ausgerechnet ein Computerspiel. Um mit anderen Spielern kommunizieren zu können, musste ich Englisch benutzen. Anfangs ging es mir nur darum, mich im Spiel verständigen zu können. Doch mit der Zeit merkte ich, wie viel Spaß es machte, mit Menschen aus anderen Ländern zu sprechen. So begann ich, mich immer mehr für Fremdsprachen zu interessieren.
Während ich Englisch lernte, wollte ich irgendwann auch eine andere Sprache ausprobieren. Als ich ungefähr 15 Jahre alt war, entdeckte ich bei meiner Großmutter ein Deutschbuch auf dem Schreibtisch meiner Cousine. Ich nahm es mit und lernte daraus das Alphabet, ein paar Wörter und einfache Sätze. Das war meine erste richtige Begegnung mit der deutschen Sprache. Wenn ich heute daran denke, scheint Deutschland schon ziemlich früh immer wieder in meinem Leben aufgetaucht zu sein.
In der Schule kam dann allerdings erst einmal Japanisch dazu. Durch den Japanischunterricht entwickelte ich großes Interesse an der Sprache und begann, mich intensiver damit zu beschäftigen. Mit 15 reiste ich außerdem zum ersten Mal mit meiner Mutter und meinem kleinen Bruder nach Tokio. Besonders gut erinnere ich mich an die berühmte Kreuzung in Shibuya. Als ich dort stand und all die Menschen und die riesige Stadt um mich herum sah, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, wie groß die Welt außerhalb meiner gewohnten Umgebung eigentlich war. Seitdem wollte ich unbedingt einmal im Ausland leben.
Als ich auf die weiterführende Schule kam, entschied ich mich deshalb, nicht in Korea, sondern in Japan zu studieren. Ich lernte intensiv Japanisch und entdeckte dabei etwas, das mich bis heute beschäftigt:
Eine Sprache zu lernen bedeutet nicht nur, neue Wörter und Grammatik zu verstehen. Als ich anfing, mich auf Japanisch mit der koreanischen Geschichte auseinanderzusetzen, merkte ich, wie unterschiedlich ein und dasselbe Thema betrachtet werden kann. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, auch andere Perspektiven kennenzulernen.
Nachdem ich die Zusage einer japanischen Universität erhalten hatte, absolvierte ich zunächst meinen zweijährigen Militärdienst in Südkorea. 2023 zog ich schließlich nach Japan und begann mein Studium.
Und dann kam Deutschland wieder ins Spiel.
Im Januar 2024 hatte ich plötzlich Lust, wieder Deutsch zu lernen. Ich fand den Klang der Sprache einfach unglaublich schön und wollte sie diesmal richtig beherrschen. Also begann ich, selbstständig zu lernen, und besuchte zusätzlich Deutschkurse an meiner Universität. Je mehr ich lernte, desto mehr wollte ich die Sprache auch tatsächlich benutzen.
Nach etwa 10 Monaten wagte ich mich deshalb an einen landesweiten deutschsprachigen Präsentationswettbewerb für Studierende in Japan. Mein Thema lautete „Die schwierigsten Elemente für japanische und koreanische Lerner beim Erlernen der deutschen Sprache“. Am Ende erhielt ich den Preis des österreichischen Botschafters. Damit hätte ich zu Beginn meines Deutschlernens wirklich nicht gerechnet.
Aber ich wollte nicht nur in Japan Deutsch lernen und gelegentlich auf Deutsch präsentieren. Ich wollte nach Deutschland, die Sprache im Alltag sprechen, Menschen kennenlernen und selbst erleben, wie das Leben dort ist.
Also ging ich im September 2025 als Austauschstudent nach Wuppertal und blieb bis Juni 2026. Dort habe ich viele Menschen kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen und Erfahrungen gemacht, die ich nicht missen möchte. Natürlich gab es auch schwierige Momente. Aber gerade dadurch habe ich viel über das Leben im Ausland und auch über mich selbst gelernt.
Während meiner Zeit in Deutschland entstand im November 2025 endlich Dreiwelts. Ich wollte nicht nur meine Erlebnisse festhalten, sondern auch mit Menschen in Deutschland ins Gespräch kommen, Gedanken austauschen und unterschiedliche Perspektiven kennenlernen.
Wenn ich heute an den neunjährigen Jungen denke, der Beethoven hörte, oder an den Fünfzehnjährigen, der zufällig ein Deutschbuch entdeckte, muss ich manchmal schmunzeln. Damals waren das einfach Dinge, die mich interessiert haben. Ich hätte nie gedacht, dass daraus einmal so viel entstehen würde.
Mit Dreiwelts möchte ich nicht einfach nur meine eigenen Geschichten erzählen, sondern vor allem mit euch in den Austausch kommen. Über verschiedene Social Media Plattformen möchte ich gemeinsam mit euch Deutschland und seine Kultur noch besser kennenlernen, Gedanken teilen und voneinander lernen.
Ich freue mich darauf, mit euch ins Gespräch zu kommen!
Ich bin jedenfalls gespannt, was als Nächstes kommt.